Tag der Kirchenmusik zu Ehren der Hl. Cäcilia

Domchor St. Pölten

So 25.11.2012 FRANZ SCHUBERT: Messe in Es-Dur
10.30 Uhr / Domkirche zu St. Pölten

„Et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam“

Den Satz des Bekenntnisses zur katholischen Kirche aus dem Text des „Credo“ sucht man in den Messen Franz Schuberts vergeblich. Schubert war ein Freigeist, der sich durch äußerliche Dogmen und Formen weder beeinflussen noch einschränken ließ und auch in der Es-Dur-Messe, die in seinem Todesjahr 1828 entstanden ist, behält er seine kritische Einstellung zu den textlich-liturgischen Vorgaben bei. Seine Distanz zu den kirchlichen Riten drückt sich musikalisch in zahlreichen Textveränderungen, -umstellungen, und –auslassungen, aber auch in seiner persönlichen Korrespondenz aus. Bei der Beschreibung seiner Erlebnisse mit dem Klerus nimmt sich Schubert kein Blatt vor den Mund, der folgende Auszug aus einem Brief an Ferdinand, Ignaz & Therese Schubert vom 29. Oktober 1818 würde in seiner drastischen Ausdrucksweise auch einem Mozart’schen Schriftstück alle Ehre machen:
„Du, Ignaz, bist noch ganz der alte Eisenmann. Der unversöhnliche Haß gegen das Bonzengeschlecht macht Dir Ehre. Doch hast Du keinen Begriff von den hiesigen Pfaffen, bigottisch wie ein altes Mistvieh, dumm wie ein Erzesel u. roh wie ein Büffel, hört man hier Predigten, wo der so sehr venerierte Pater Nepomucene nichts dagegen ist. Man wirft hier auf der Kanzel mit Ludern, Kanaillen etc. herum, daß es eine Freude ist, man bringt einen Todtenschädel auf die Kanzel, u. sagt: Da seht her, ihr pukerschäkigten Gfriser, so werdet ihr einmahl aussehen. Oder: Ja, da geht der Bursch mit’n Mensch ins Wirtshaus, tanzt die ganze Nacht, dann legen sie sich besoffen nieder, u. stehen ihrer drey auf u.s.w.“

Schuberts musikalische Sozialisation ist dennoch untrennbar mit der Kirchenmusik verbunden. Er wurde in eine Lehrerfamilie hineingeboren, in der das Singen zum Alltag gehörte. Schon früh wurde er von Michael Holzer, dem Regens Chori der Lichtentaler Pfarrkirche, „im Violin- und Klavierspiel sowie im Gesang“ unterrichtet und „ward 1ster Sopranist in der Lichtentaler Kirche. Schon zu dieser Zeit trug er alles mit dem angemessensten Ausdrucke vor.“ Das berichtet später sein älterer Bruder Ferdinand, dem auch die Leitung der Uraufführung der Messe Nr. 6 in Es-Dur D 950 im Jahr 1829 oblag – Franz Schubert sollte sie nicht mehr erleben.

Trotz seiner kirchenkritischen Einstellung gelang es dem Komponisten, den Ordinariumstext in ein persönliches Bekenntnis zu transformieren. Schubert schlägt in diesem Werk bereits durchaus romantische Töne an, denn die Messen der Romantik kennzeichnen vertiefte Textausdeutung und das Streben nach erhöhter Monumentalität. In der farbigen Orchesterbehandlung und großräumigen Anlage schlägt die Es-Dur-Messe die Brücke von den Messen der Wiener Klassik zu jenen Anton Bruckners. Besonders einnehmend ist die Vielfalt des musikalischen Ausdrucks, die Schubert hier eng verwoben verarbeitet hat. Dem Liedhaften wird genauso Raum gegeben wie der würdevollen Erhabenheit, der tiefen Empfindung ebenso wie dem fröhlichen Jubel.

Für das Komponieren geistlicher Werke bedurfte Schubert nach eigener Aussage viel mehr eines inneren, als eines äußeren Auftrages, wie er 1825 in einem Brief an den Vater und die Stiefmutter schrieb:
„Auch wunderte man sich sehr über meine Frömmigkeit, die ich in einer Hymne an die heil. Jungfrau ausgedrückt habe [Ellens Gesang III (D 839) berühmt als Ave Maria], und, wie es scheint, alle Gemüther ergreift und zur Andacht stimmt. Ich glaube, das kommt daher, weil ich mich zur Andacht nie forciere, und außer wenn ich von ihr unwillkürlich übermannt werde, nie dergleichen Hymnen oder Gebete componiere, dann aber ist sie auch gewöhnlich die rechte und wahre Andacht.“


Teresa Vogl


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