N. Fheodoroff: Elisabeth von Thüringen / Stiftskirche Ossiach 12.7.2014

Meditative Klänge zur Eröffnung

Kleine Zeitung, Helmut Christian

Programmheft Carinthischer Sommer 2014

Wirkungsvoll: Mit der Aufführung des Kammeroratoriums "Elisabeth von Thüringen" von Nikolaus Fheodoroff startete der Carinthische Sommer in die Saison.

Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht." Sanft und mehrfach geteilt erklang dieser Choral. Sanft und weich untermalte ihn das Orchester: Sicher einer der schönsten, zugleich schlichten Momente von "Elisabeth von Thüringen", der ihre soziale Selbstlosigkeit so treffend beschreibt und mit dem der heurige Carinthische Sommer in der Ossiacher Stiftskirche stimmungsvoll eröffnet wurde.

Und ebenfalls mit einer schlichten Melodie eines uralten, lateinischen Hymnus aus dem Jahr 1000 lässt Nikolaus Fheodoroff sein Kammeroratorium beginnen: "Bevor des Tages Licht vergeht!" Herbert Voggs Text schildert die Lebensstationen von Elisabeth, die sich im 13. Jahrhundert völlig für die Armen aufopferte, ein Spital gründete, schon mit 24 Jahren starb und bald darauf heiliggesprochen wurde. Sie war Namensgeberin und Patronin für den nach ihr benannten Orden der Elisabethinen, zu dessen 300. Bestandsjubiläum dieses Werk im Jahr 2010 komponiert und im Dom zu Klagenfurt uraufgeführt wurde.

Und da es das letzte Werk des 2011 verstorbenen Kärntner Komponisten werden sollte und weil Fheodoroff viele Jahre Obmann des Carinthischen Sommers war, wurde es jetzt zu seinem Gedenken beim Kärntner Paradefestival aufgeführt.

Dem elfteiligen, rund 80 minütigen, mäßig modernen Werk liegt eine Zwölftonreihe zugrunde, die Fheodoroff schon in seinem Orgelkonzert verwendet hat. Es überwiegen jedoch die tonalen Momente, bei denen auch Choräle wie "O Haupt voll Blut und Wunden" zitiert werden, und, abgesehen von einigen extrem kurzen Sequenzen mit langen Pausen dazwischen, viel meditative Stimmung erzeugt wird.

Emotionsreich

Die fein ausbalancierte, jung besetzte "cappella nova graz" und die Domkantorei St. Pölten sangen sauber, homogen und emotionsreich. Das Ensemble Prisma Wien, bei dem der Sohn des Komponisten Thomas Fheodoroff als Konzertmeister mitwirkte und das von Johannes Zeinler auf der Orgel wunderbar unterstützt wurde, musizierte unter der Leitung von Otto Kargl ausgewogen und klangschön.

Dazu gab es mit dem klaren und höhensicheren Sopran von Ursula Langmayr (Elisabeth), dem schön timbrierten, kraftvollen Tenor von Kurt Azesberger (Erzähler I) und dem profunden Bass des Günter Haumer (Konrad von Marburg) ein exzellentes Sänger-Trio. Der Schauspieler Peter Uray, der auf der Kanzel thronte, fungierte als zweiter sonorer Erzähler. Starker Applaus auch vom Bundespräsidenten und seiner Gattin.

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