J. Haydn: Die Schöpfung / Carinthischer Sommer, Ossiach 13.8.2009

Als in Ossiach das Licht aufging

Kleine Zeitung, W. Rainer

Otto Kargl

Haydns "Schöpfung" in einer wunderbaren carinthischen Aufführung.

Ziemlich eng wurde es im Altarraum der Stiftskirche zu Ossiach als dort das L'Orfeo Barockorchester aus Linz und die vereinigten Chöre der "cappella nova graz" und der Domkantorei St. Pölten Aufstellung nahmen. Schließlich verlangt Josef Haydn für das geniale Oratorium "Die Schöpfung" einen möglichst breiten und kompakten Klangkörper.

Der war gegeben und glänzend disponiert vor einer bis auf den allerletzten Platz gefüllten Kirche. Und als Dirigent Otto Kargl, Domkapellmeister zu St, Pölten, mit der einleitenden Ouvertüre das Chaos vorstellte, das die Welt war, eh Gott sie schuf, wurde es mucksmäuschenstill. Das Publikum folgte gebannt der von drei Erzengeln erzählten Schöpfungsgeschichte. Wem, nachdem Gott Licht von Finsternis geschieden hatte, noch immer kein Licht aufgegangen war, wie wunderbar hier musiziert und gesungen wurde, dem war nicht zu helfen. L'Orfeo, als international gefragtes Ensemble, zusammengesetzt aus Spezialisten für Alte Musik, lotete mit sichtlichem Engagement schlank, griffig, transparent und mit kräftigen Farben die musikalischen Figuren ohne Pathos plastisch aus. Brachte den gestirnten Himmel, Sonne und Mond ebenso zum Leuchten, wie den detailreichen Mikrokosmos der Natur zu hymnischem Singen zum Lob des Allerhöchsten.

Stürmischer Applaus

Abgesehen von leichten Unsicherheiten meisterte der Chor sowohl monumentale Passagen wie meditative Sequenzen mit Bravour. Wortdeutlich und gediegen im Ausdruck als Engel der Tenor Bernhard Berchtold, vor allem aber der Bariton Daniel Schmutzhard mit einer einnehmend schönen Stimme. Leider enttäuschend Sopranistin Barbara Bonney, die auch mit Routine und Technik ihre Schwächen schwer zu kaschieren vermochte. Dennoch ein wundervoller Abend für die, die nicht in einer Seitenkapelle sitzen mussten. Stürmischer Applaus.

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