C. Monteverdi: Vespro della Vergine Maria / Basilika Seckau, 24.5.1999

"Dramma per musica" war ein Höhepunkt

Kleine Zeitung, Annedore Dedekind

Flyer Marienvesper

Monteverdis Marienvesper im Dom zu Seckau: Aufführung war musikalisches Ereignis von internationalem Format.

Die Aufführung der "Vespro della Vergine Maria" von Claudio Monteverdi in der Basilika von Seckau war ein musikalisches Ereignis von hohem Rang.
Monteverdi, der bedeutendste italienische Komponist des 17. Jahrhunderts, awr selbst ausgebildeter Sänger und Musiker und bis zu seinem Tod im Jahr 1643 erster Kapellmeister von San Marco in Venedig. Gleichermaßen profunder Theoretiker und Praktiker war der geniale Musikdramatiker ein zukunftsweisender Neuerer der auf dem Erbe der Vergangenheit aufbaute. Lange fast vergessen, erlebten seine Werke Ende des 19. Jahrhunderts sowie im 20. Jahrhundert ihre Wiederentdeckung. Da sie im Sinn der Zeit ihrer Entstehung verstanden und aufgeführt werden müssen, stellen sie große Anforderungen an alle Interpreten.

Monteverdi gilt als Erfinder der Pizzicato-Technik und des Tremolos: eine dem Werk dienende Wiederbelebung ist nur durch geschulte Sänger möglich, die die Technik der damals hochstehenden Gesangskultur beherrschen. Auch der Einsatz alter Instrumente ist notwendig.
Umsichtig. Dem allen trug man in Seckau Rechnung. Die capella Nova Graz, die Domkantorei von St. Pölten und die Grazer Choralschola wirkten unter dem sicheren und umsichtigen Dirigat von Otto Kargl (einem gebürtigen Gaaler) in beeindruckender Weise zusammen. Legitim ist auch die Verbindung der Komposition Monteverdis mit dem gregoranischen Choral: Franz Karl Praßl hatte diese Teile der Aufführung mit der Choralschola einstudiert und nimmt auch in einem Aufsatz in Begleitheft zur Seckauer Marienvesper zu dieser Problematik Stellung.

Gründlich. Monteverdi hat in dem bereits 1610 entstandenen Werk auch die in Venedig entwickelte Doppel- und Mehrhörigkeit verwendet. Dank der überaus gründlichen Vorbereitung kam sie im Seckauer Dom ebenso vollendet zur Geltung wie die wunderbar gestalteten Echo-Effekte. Ausgezeichnet auch die Chorsängerinnen und -sänger sowie die stilsicheren Solisten: Cornelia Hosp/Sopran, Marie-Claude Chappitus/Mezzosopran, die Tenöre Johannes Chum, Hermann Oswald und Thomas Wasserfaller, die Bassisten Ulrich Messthaler un Andreas Lebada.

Die präzise musikalische und sprachliche Akzentuierung und die vom Anfang bis zum Ende durchgehaltene Intensitätmachten dieses sakrale "drama per musica", das der prunkvollen Gestaltung der Liturgie im 17. Jahrhundert voll entspricht, zu einem Höhepunkt der Seckauer Kulturwoche '99.
Es war ein Kirchenkonzert von internationalem Format in dem ihm gemäßen Rahmen, das außerordentlich gut besucht war und reichen Beifall fand.

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