M. Radulescu: Leiden und Tod unsres Herrn und Heilands Jesus Christus/ Domkirche Graz, 5.4.2003

Eine Passion von abgründiger Tiefe und schauriger Aktualität

Kleine Zeitung, Jolanthe Heinz

Programmheft Radulescu Passion

Uraufführung: Das Leiden Christi, erschreckend modern interpretiert vom Komponisten Michael Radulescu.

Graz. Diese "Passio" ist von Anfang bis Ende tiefgründige Deklaration. Statt "Musik" im landläufigen Sinn zu schaffen, hat Michael Radulescu die Evangeliensprache auf packende ARt, die vereinzelt an Handke erinnert, rhythmisch überholt, den kirchlichen Lektionston stilisiert und mit Sekundreibungen erweitert. Zusätzlich schafft ein vielfältiger, allgegenwärtiger Einsatz des Schlagzeugs Verbindung zu beklemmender (Kriegs-) Aktualität.

Auf das Niveau der Uraufführung darf der Komponist stolz sein. Exakt und unerbittlich-dramatisch führte Josef M. Doeller am Pult Regie und verlangte den Domkantoreien Graz und St. Pölten (letztere von Otto Kargl einstudiert) alles ab. Höchstleistungen boten auch die Instrumentalisten, "Studie Percussion Graz" und Domorchester, dessen Streicher die Sekundreibungen in einem kurzen instrumentalen Zwischenspiel perfekt-enervierend intonierten. Besonders berührend Einstieg und Schluss mit ergreifenden Wehklagen von Elizabeth Lagneaus intensiv timbriertem Alt, der Höhen und Tiefen ebenso auslotet wie Emotionen. Ulf Bästlein verkörperte mit weichem, empfindsamen Bassbariton die Stimme Jesu.

Das Publikum spendete nach betroffenem Schweigen verdienten Beifall.

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