Charpentier: Te Deum, Händel: Messias / Domkirche St. Pölten, 20.6.2004

Jubiläumskonzert im Dom

NÖ Nachrichten, Claudius Caravias

Hört man das Te Deum des französischen Barockkomponisten Mart-Antoine Charpentier, so schreitet man im Geiste durch eine gewaltige Kathedrale der französischen Hochgotik. Fundamentale Chor- und Orchestergewalt wechselt mit fein ziselierten Ensembleklängen, das eine entspricht den massiven Säulen, die das Bauwerk stemmen, das andere dem feinen Netzrippengewölbe als Symbol für Himmel und Unsterblichkeit.

In einem solchen Kontext kann man auch das Jubiläumskonsert zur Feier von 80 Jahren Dommusikverein St. Pölten am Sonntag sehen. Gewaltige Hauptwerke der Barockmusik in einem gewaltigen Hauptwerk der süddeutschen Barockbaukunst. Zu dieser Feier trafen Mark-Antoine Charpentier, Georg Friedrich Händel, Jakob Prandtauer und Otto Kargl im Dom zusammen, und es war wahrlich ein kongeniales Treffen!

Auch das zweite Hauptwerk des Abends ist ein Höhepunkt abendländischen Musikschaffens. Georg Friedrich Händes schrieb seinen Messias nicht, er rang sich dieses einzigartiges Oratorium in einem knapp dreiwöchigen Kampf auf Leben und Tod am Krankenlager ab.

Überflüssig zu erwähnen, dass Domkapellmeister Otto Kargl die beiden Werke in gewohnter Stimmigkeit und Perfektion ins barocke Kirchenschiff stellte. Mit Prägnanz musizierte das Domorchester, mit besonderer Innigkeit, Koloratursicherheit und Ausdruckskraft der Domchor. Von seinen Solisten besonders hervorzuheben der warme, strömende Alt von Susanne Strunz und der kräftige Baß von Lukas Kargl, der den Lord of Hosts mit gehöriger Grimmigkeit herüberbrachte.

Franz Danksagmüller verband das Barock des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und die Musik des englischen Hofes fingerfertig mit einer Orgel-Toccata von Georg Muffat.

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