J.S: Bach: Messe in h-moll / Domkirche St. Pölten, 25.10.2004

Klarster Klang

NÖ Nachrichten, Claudius Caravias

Flyer h-Moll Messe

Die umjubelte Aufführung von Johann S. Bachs "Hoher Messe" im Dom St. Pölten war ein Fest vor allem der Chorstimmen

Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe bildete am Montag der Vorwoche den glorreichen Abschluss des Kirchenmusikfestivals Musica Sacra. Das "größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker", wie der Schweizer Verleger Hans Georg Nägeli die h-Moll Messe bezeichnet hat, wurde seinem Ruf wieder einmal gerecht!

Die Interpretation im überfüllten Dom von St. Pölten geriet zu einem Fest der (Chor-) Stimmen. Die Chorsätze mit ihren rasenden Koloraturen, den unglaublichen Vokalharmonien und den so üppigen Meisterleistungen polyphoner Stimmführung bilden nicht nur die Krönung von Bachs Vokalkunst, sie sind auch zentrales Element seiner Hohen Messe. So waren es auch die beiden Chöre, die bei dieser Aufführung den Vogel abgeschossen haben. Unter der Einstudierung und Leitung von Festivalintendant Otto Kargl wuchsen die zwei Ensembles cappella nova Graz und die Domkantorei St. Pölten förmlich über sich hinaus. Kristallklare Koloraturen selbst bei halsbrecherischem Tempo, perfekte Homogenität der Stimmführung und absolute Reinheit der Intonation waren die Markenzeichen des Abends. Selbst wenn man glaubte, jetzt schon den ultimativen Chorklang der beiden Ensembles präsentiert zu bekommen, dann legten die immer noch zu, ohne dass man auch nur die geringste Anstrengung bemerkte.

Otto Kargl erwies sich einmal mehr als einer der ganz großen Chorpädagogen in diesem Land, eine derart stimmige Interpretation des Riesenwerkes macht ihm so bald kein Chor nach!

Meisterhaft auch das Instrumentalensemble Solamente naturali Bratislava unter seinem bewährten Gründer und Konzertmeister Milos Valent.

Einen bedeutenden Anteil an der Stimmung hatte auch der prachtvolle St. Pöltner Dom. Dass er in seiner barocken Ausgestaltung ziemlich genau zur selben Zeit wie Bachs Messe entstanden ist, war intuitiv zu spüren und letztlich mit ein Grund für die vollkommene Gesamtstimmung. Das Publikum dankte mit Jubel.

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