C. Monteverdi: Vespero della Beata Vergine / Domkirche St. Pölten, 7.9.2002

Still versunken, strahlend aufblühend

Die Presse, Gerhard Kramer

Flyer Marienvesper

Im reichbesetzten Konzert der großen und kleinen Festivals spielen die einstigen "Niederösterreichischen Kirchenmusiktage" unter dem heutigen Namen "Festival musica sacra" seit rund 25 Jahren einen eigenständigen, wichtigen Part. Getragen vom ORF, der Diözese St. Pölten sowie den Stiften Lilienfeld und Herzogenburg will man gleichermaßen das Repertoire der Kirchenmusik wie auch Raritäten und Novitäten in exemplarischen Aufführungen pflegen - auch mit internationalen Zelebritäten, heuer etwa dem Hilliard Ensemble und der Akademie für Alte Musik Berlin mit Bernarda Fink.

Daß heimische Ensembles mit ihnen durchaus Schritt zu halten vermögen, bewies der Eröffnungsabend mit Claudio Monteverdis immer wieder bestürzend kühner, überwältigend reicher Marienvesper von 1610. Da vereinigten sich die Instrumentalisten und Vokalisten der cappella nova graz, die Domkantorei St. Pölten, die Grazer Choralschola (Einstudierung: Franz Karl Praßl) sowie hervorragende Solisten unter der Gesamtleitung von Otto Kargl zu einer Wiedergabe hohen Ranges, die bei jedem Spezialfestival Alter Musik in Ehren bestehen könnte.

Erstaunlich, wie der Dirigent mit seiner uneitlen, ja geradezu unauffälligen Zeichengebung den großen Apparat im Griff hatte, wie lebendig er die Rhythmik schärfte, die Tempi stets geschmeidig und flexibel hielt, die Dynamik zwischen stiller Versunkenheit und strahlendem Aufblühen ausspannte. Kleine stilistische Ungereimtheiten hatten da marginale Bedeutung. Im Chor gefielen vor allem die schlank leuchtenden Soprane, im Ensemble brillierten insbesondere die beiden Zinkenisten mit ihren virtuosen Verzierungen.

Hervorzuheben unter den Solisten sind Cornelia Horak mit ihrem klaren, für Alte Musik besonders prädestinierten Sopran - und Johannes Chum (heuer bei den Bregenzer Festspielen bejubelt) als technisch und musikalisch perfekt geführter, warm timbrierter Tenor.

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