Orgelkonzert: Reger, Franck / Domkirche St. Pölten, 7.5.2004

symphonique

NÖ Nachrichten, Claudius Caravias

Die St. Pöltner Dommusik nimmt einen Spitzenplatz in der nationalen und internationalen Kirchenmusikszene ein. Das war wieder am Freitag zu erleben, beim Konzert des Domorganisten Franz Danksagmüller in der mystischen Nachtstimmung des Domes.

Im Eröffnungwerk, der Symphonischen Phantasie und Fuge in d-moll op. 57 von Max Reger, drähne förmlich dessen üppig-überbordende Lebensform durch das schemenhaft dunkle Kirchenschiff. Reger hat sich leiblicher Genüsse nicht enthalten und das auch in seinen Kompositionen deutlich hörbar gemacht. Dazu kommt das Thema, das zugrunde liegt: das Durchschreiten des Infernos, der von rastlos-wütenden Teufeln bevölkerten Hölle in Dantes Göttlicher Komödie. All dies braust über einen hinweg, interpretiert mit höchster Perfektion selbst in den rasendsten Passagen. Danach ist eigentlich keine Steigerung mehr möglich, das Werk ist deshalb auch ein typisches Schlussstück vieler Organisten.

Nicht so bei Franz Danksagmüller. In der folgenden Improvisation meditiert er die Stille, die fast unerträgliche Ruhe nach dem Sturm, lässt den Zuhörer ungeahnte Töne erleben, öffnet die Ventile der Orgel bloß zum Tei­l, lässt flagiolettartig nur ihr Obertonspektrum erklingen, verwandelt den Wald der Orgelpfeifen in einen echten Tann, in dem eine unendliche Fauna mikroskopisch klein ihr melodiöses Tagwerk beginnt.

Damit ist Raum geschaffen für ein Paradebeispiel romantischer Orgelliteratur. Cesar Francks Grande piece symphonique, op. 17 in fis-moll leitet zurück zur eigentlichen Idee des Abends, zur symphonischen Darstellung der großen Orgel. Behutsam entlockt Danksagmüller den romantischen Registern im Andante Klänge wie aus einer anderen Welt, und tiefe Innerlichkeit ergreift die Zuhörer. Schließlich erhebt sich über allem das Allegro non troppo e maestoso mit wuchtigen, vollgriffigen Akkorden in einem virtuosen Tumult zum massiven Ausklang der späten Stunde.

Zurück