J. Haydn: Die Schöpfung / Attergauer Kultursommer, St. Georgen 14.8.2009

Vom Glück der Unschuld

Wiener Zeitung

Otto Kargl

Eine heile Welt vor dem Sündenfall: Haydns "Schöpfung", dieses monumentale musikalisch-religiöse Bild über die Entstehung des Diesseits, ist durchdrungen von Idealen des Positiven.

Ein Bild, das nun kongenial in den Rahmen der Ossiacher Stiftskirche gestellt und ebenso dort ausgeführt wurde: mit dem L’Orfeo Barockorchester, der "cappella nova graz", der Domkantorei St. Pölten und zwei fulminanten Gesangssolisten.

Otto Kargl leitete beide Chöre, Orchester und Solisten souverän, führte Instrumente wie auch Stimmen zu einer akzentuierten, insgesamt vorbildlich ausmusizierten Interpretation. Die Musiker überraschten mit fein nuancierten Klangfarben sowie in den Bläsern besonderer solistischer Präsenz. Ein auch im Forte nicht zu einem undifferenzierten Ausbruch verkommendes Klangerlebnis war es, das dank der ausgezeichnet disponierten Chorstimmen auch die vom Komponisten erdachten, überschwänglichen Lobgesänge ermöglichte.

Daniel Schmutzhard, ein Bariton-Glücksfall für die Partie des Erzengels Raphael, sorgte gemeinsam mit Bernhard Berchtolds tenoral makellos ausgeführtem Uriel für die herausragenden solistischen Momente dieser "Schöpfung".

Wenig strahlend, glanzlos abgedunkelt hingegen der Sopran Barbara Bonneys. In Summe aber doch zwei Stunden Haydn, zwei Stunden Lobgesang auf eine Welt ohne das Realistische, negative Heute, vom Publikum zu Recht mit Begeisterung aufgenommen.

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