C. Monteverdi: Vespero della Beata Vergine/ Basilika Seckau, 8.9.2002

Vom Seelenrührer

Kleine Zeitung, Michael Tschida

"Gute Musik hat nur ein Ziel: die Seele zu rühren", sagte Claudio Monteverdi. Und schuf mit der "Vespro della Beata Vergine" 1610 selbst eines der imposantesten Beispiele dafür. Dabei geriet das liturgische Klangmosaik, Papst Paul V. zugeeignet, zum fehlgeschlagenen "Bewerbungsschreiben", allerdings zum wohl schönsten der Welt. Statt in San Pietro in Rom durfte der Komponist wenig später "nur" in San Marco in Venedig dienen, nachdem er dem Fürstenhof der Gonzagas in Mantua den Rücken gekehrt hatte.

In der Seckauer Basilika ist die "Marienvesper", dieser Solitär der Musikgeschichte, ideal aufgehoben. Otto Kargl brachte ihn dort mit erstklassigen Vokalisten und Instrumentalisten, allen voran die Continuo-Gruppe und die Bläser, zum Glänzen. Der Domkapellmeister von St. Pölten kostete dabei die einzigartige Architektur, Polyphonie und Rhythmik der Partitur überzeugend aus.

Kongenial in Timbre und Ausdruck die Stimmenpaare Cornelia Horak/Marie-Claude Chappuis (Sopran) und noch mehr Johannes Chum/Bernd Lambauer (Tenor). Die Zwischengesänge der Grazer Choralschola setzten feine Klammern. Und die verstärkte "cappella nova graz" erwies sich trotz leichtem Verschleiß gegen Ende ihres Mammutprogramms einmal mehr als vokales Aushängeschild Österreichs.

Praktisch über die ganzen zwei Stunden Gänsehaut, das muss mit Seelenrührer Monteverdi zu tun haben und nicht nur damit, dass ich meine musikalische Sozialisation direkt aus der "Marienvesper" erfuhr. Wenn es im Himmel klingt, dann so.

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